Von:
Bernhard Liess

e-luther.de

Tief liegende Augen soll er gehabt haben und einen durchdringenden Blick. Wortgewaltig war er, mutig und allein seinem Gewissen verpflichtet. Er konnte derb sein und leider auch furchtbar ausfällig, dieser Doktor der Theologie Martin Luther. 1483 ist er im thüringischen Eisleben geboren und dort 1546 auch gestorben. Ein Mönch wurde er. So hatte er es versprochen, als er ein Gewitter überlebte. Aber die Zweifel blieben: Kann ich vor Gott jemals bestehen? Ist nicht alles, was ich tue und glaube, letztlich ungenügend?

Und dann die Entdeckung: Die Summe meiner Taten oder Untaten sagt nichts aus über den Wert meiner Person. Denn wenn das so wäre: Ich könnte nichts mehr tun, müsste täglich Angst haben zu scheitern. Was für eine Befreiung: Gott liebt mich unabhängig von meinen Leistungen oder meinem Scheitern. Ich muss nicht ständig beweisen, wie wertvoll ich bin, weder mir selbst, noch anderen und schon gar nicht Gott. Diese Entdeckung brachte ihn in Konflikt mit Kirche und Kaiser.

Auslöser war dabei der sog. Ablasshandel, d.h. die damals übliche Praxis, Geld zu zahlen, damit die Strafen für Sünden erlassen werden. Luther war darüber empört. Die 95 Thesen, die er 1517 an der Wittenberger Schlosskirche befestigte, sollten dann der Beginn der Reformation werden. Nicht ohne Grund wird das Reformationsfest am vermeintlichen Tag des Thesenanschlags, dem 31. Oktober, gefeiert. In dem nun folgenden Konflikt hielt sein Kurfürst zu ihm und versteckte ihn kurzerhand auf der Wartburg.

Die Kirchenspaltung wollte er nicht. Aber seinen Glauben aufgeben, das widersprach seinem Gewissen. Ein „Arbeitstier“ war er: Das Neue Testament übersetzte er in nur elf Wochen und später dann die ganze Bibel. Sein Deutsch, es ist bis heute prägend geworden.

Was ich an ihm bewundere? Seinen Mut, sich auf sein Gewissen zu berufen, auch als es für ihn persönlich unangenehm wurde. Seine Entdeckung des „Priestertums aller Gläubigen“. Niemand ist unmündig in Glaubensangelegenheiten. Am meisten bewundere ich jedoch seine so aktuelle Entdeckung der „Freiheit eines Christenmenschen“: Ich kann handeln und Verantwortung übernehmen, ohne Angst vor dem möglichen Scheitern. Ich bin mehr, als was ich in meinem Leben leiste und schaffe. Ich bin mehr wert als das, was ich aus meinem Leben mache. Denn in Gottes Augen bin ich immer schon wertvoll.